What the Health Review: Ein Kampf gegen krebserregende Proteine?!

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What The Health

Kraftsportler aufgepasst: Eure Proteinquellen versuchen offenbar, euch umzubringen. Mit der Doku What the Health holen Kuhn und Andersen nach den kontroversen Theorien von Cowspiracy zur neuen Vegan-Propaganda aus. Mal wieder in der Bösewichtrolle: Fleisch, Eier und Milch. Krebs und Diabetes als Preis für mühsam aufgebaute Muskelmasse?

Laut der Dokumentation kann euch davor nur einer retten: Die vegane Ernährung, die in der Heldenrolle erscheint. Ganz negativ bleibt unsere What the Health Review trotzdem nicht. Denn trotz Propagandainhalt stimmen viele der enthaltenen Fakten.

Proteine ja, aber nur aus rein pflanzlicher Quelle?

Protein ist einer der wichtigsten Bausteine aller Lebewesen. Die darin enthaltenen Aminosäuren regeln in Form von Enzymen relevante Körperprozesse und gelten als Hautstrukturteil der Muskeln. Wer Muskelmasse aufbauen will, braucht deshalb genügend Protein in der Nahrung. Gerade Kraftsportler setzen daher auf eiweißreiche Low-Fat-Ernährung. Mageres Fleisch, fettarme Milchprodukte, Shakes und das Weiße vom Ei sind im Muskelaufbau bekanntermaßen das Gelbe vom Ei.

Nun verpasst der Dokumentarfilm What the Health dem Gesundheitsbewusstsein von muskulösen Tierprotein-Fans allerdings einen Dämpfer. Milcheiweiß wirke erwiesenermaßen krebserregend, so belehrt uns die Dokumentation. Außerdem ist jegliche Art von industriell hergestelltem Fleisch laut Filmemacher Andersen Verursacher von Volkskrankheiten wie Diabetes. Nicht etwa der Zucker ist laut seiner Doku an Gesundheitsbeschwerden der Neuzeit schuld, sondern tierisches Protein.

Die angepriesene Alternative:

Eiweiß aus pflanzlichen Quellen. In Cowspiracy hat der Filmemacher den veganen Lebensstil schon zur ultimativen Lösung für lebensmittelbedingte Umweltbelastungen erklärt. Jetzt soll der Lifestyle angeblich auch noch der Prävention chronischer Erkrankungen dienen. Der Dokumentationstitel What the Health erinnert nicht zufällig an “What the hell?”. Als Kraftsportler mit einem 2 Kilo Beutel Whey fragst du dich beim Ansehen sicher “Was zum Teufel?”.

In rund 90 Minuten fühlt Andersen im Film konsequent den US-amerikanischen Gesundheitsorganisationen, der Pharma- und der Lebensmittelindustrie auf den Zahn. Eine Frage steht im Fokus: die nach Gesundheitsproblemen durch schlechte Ernährung, Medikamentenkonsum und falsche Beratung. In Interviews fragt der Dokumentarfilmer an oberster Stelle nach, wieso Konzerne und Organisationen die Gesellschaft systematisch krankmachen wollen. Bewaffnet ist er dabei mit ausgewählten Studien, die einen Zusammenhang zwischen tierischem Eiweiß und Erkrankungen wie Brustkrebs nahelegen.

What the f****: Wurden hier die Fakten verdreht?

Dass eine proteinreiche Ernährung auf rein tierischer Basis schädlich ist, bestätigen unterschiedliche Studien und sogar die Weltgesundheitsorganisation. Rotes Fleisch fällt im Hinblick auf Krebs längst in dieselbe Schadstoffkategorie wie Zigaretten. Dass ein Bissen rotes Fleisch aber nicht genauso schädlich ist wie ein Mund voll Zigarettenrauch, ignoriert Andersons Doku konsequent.

Als Kraftsportler wirst du wahrscheinlich wissen, dass als Limit für die tägliche Proteinaufnahme zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht gelten. Willst du dich im Bereich absoluter Unbedenklichkeit bewegen, nimmst du täglich nicht mehr als 0,8 Gramm pro Kilogramm auf. Grundsätzlich schlagen Gesundheitsstellen für Sportler eine Ernährungsform vor, die lediglich einen Eiweißanteil von zehn Prozent enthält. Zu viele Nahrungsergänzungsmittel oder Eiweißshakes sollten es trotz Muskelaufbau also nicht gerade sein.

Was Andersen allerdings übersieht, wenn er vegane Ernährung als Lösung vorschlägt: Für Unbedenklichkeit kommt es auf die Menge an. Tierisches Protein an sich musst du zum Muskelaufbau also nicht unbedingt vom Speiseplan streichen. Andersen wird in What the Health schlicht zum Faktenverdreher. Gezielt wählt er Studien aus, die den Hang zur veganen Ernährung bestätigen. Dass Milcheiweiß beispielsweise die Sterblichkeit bei Brustkrebserkrankungen steigert, ist durch die von Andersen angesprochene Studie nicht einmal nachgewiesen. Festgehalten wurde von den Studienverantwortlichen lediglich eine Überschneidung von Milchkonsumgewohnheit und Brustkrebssterblichkeit, die ebenso gut zufällig sein kann.

Wäre tierisches Eiweiß derart krankheitsförderlich, wie Andersen behauptet, so wären gerade im proteinorientierten Kraftsportbereich reihenweise chronisch Kranke zu finden. Ein solcher Zusammenhang ist bisher zumindest nicht erwiesen. Oder kennst du aus dem Training ungewöhnlich viele Menschen mit chronischer Krankheit? Vermutlich nicht, denn gerade Kraftsportler kennen sich mit abwechslungsreicher Ernährung gut aus.

What’s right: Damit hat What the Health Recht

Kip Andersen ist selbst kein Wissenschaftler, sondern Vermarkter der veganen Lebensweise. Um sich als solcher zu beweisen, interpretiert er objektive Studien nach Belieben in Richtung Verzicht auf tierisches Eiweiß. Trotz übersteigerten und teils an den Haaren herbeigezogenen Schlussfolgerungen, behält er zumindest mit einem Recht. In der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts geht es beinahe ausschließlich um Konsum. Tatsächlich sind viele Volkskrankheiten der Gegenwart auf grenzenloses Konsumverhalten zurückzuführen.

Übermäßiger Konsum von tierischen Proteinen ist, anders als Andersen behauptet, aber nicht viel schädlicher als übermäßiger Zuckerkonsum. Bewussteres Konsumverhalten ist ein wichtiges Schlüsselwort zur Krankheitsprävention in der gegenwärtigen Gesellschaft. Andersen bemängelt beispielsweise, dass die krebserregende Wirkung von übermäßigem Fleischkonsum wesentlich seltener thematisiert wird als die von Zigaretten. Wieso bleibt es derart ruhig um Milch und Fleisch? 93 Prozent aller Dioxine werden laut der Doku schließlich in Form von Milcherzeugnissen und verarbeitetem Fleisch aufgenommen.

What the Health Review: Unsere Meinung

Als Sportler befürworten wir bewussten und nachhaltigen Konsum. Und auch wir schließen uns den Theorien von der geldmotivierten Kooperation einzelner Gesundheitsorganisationen mit Fleischherstellungsfirmen an. Dennoch sollte man bedenken, dass auch Pflanzen mittlerweile schadstoffbelastet sind. Zudem musst du deutlich länger nach veganen Bodybuilding-Erfolgskonzepten suchen als nach vegetarischen. Geben tut es sie allerdings durchaus. Pro Mr. International IFBB Andreas Cahling und Alexander Dargatz, Weltmeister der GNBF Fitnessklasse, sind hervorragende Beispiele. Ob unsere What the Health Review für dich gleich eine Umstellung auf vegane Ernährung bedeutet oder nicht: Das richtige Maß entscheidet.

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